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Der "Gehannsdoag" – ein besonderer "Nationalfeiertag" in Elz

Elz. Am Samstag, dem 24. Juni 2017 feiert die Elzer Pfarrgemeinde ihr Patrozinium, den Johannestag. Wenn in Elz das Patronatsfest gefeiert wird, dann werden bei den älteren Gemeindemitgliedern so manche Erinnerungen an vergangene Zeiten wieder lebendig. Der Patronatstag, der "Gehannsdoag", hatte früher als Elzer "Nationalfeiertag" eine große Bedeutung, die in vielerlei Feierlichkeiten ihren Ausdruck fand. Die Liebe der Elzer zur Johanneskapelle hat eine sehr lange Tradition. Sie ist im engen Zusammenhang mit der Johannesquelle zu sehen. Die Eigenschaften der Heilquelle veranlassten den Hadamarer Fürsten Johann-Ludwig um 1641, dort eine Kapelle zu erbauen. Das Gotteshaus trug fortan den Namen seines Erbauers.

 

Historischer Hintergrund

In den Wirrnissen der Koalitionskriege von 1799 bis 1802 wurde die alte Johanneskapelle stark in Mitleidenschaft gezogen. Umherziehende Soldaten benutzten die Kirche als Pferdestall. Sie war mittlerweile so ruiniert, dass außer den Grundmauern nichts mehr übrig geblieben war. Aber die Gemeinde hatte kein Geld für eine Sanierung der barocken Kapelle: Der große Brand von Elz im Jahre 1850 und der Neubau der Elzer Pfarrkirche St. Johannes d.T. ermöglichten keine Renovierung. Und so verfiel das Gebäude weiter.

Die neue Johanneskapelle ist in erster Linie dem Elzer Pfarrer Johannes Spring (Seelsorger in Elz von 1882 bis 1892) zu verdanken. Ihm gelang es, die Elzer Familie Johann Faust für sein Vorhaben einzunehmen. Die Familie stiftete 6000 Goldmark für den Neubau der Kapelle, denn die war inzwischen so verfallen, dass es mit einer bloßen Renovierung nicht getan war.

Auch ein möglicher neuer Standort wurde im Zuge der Planungen vorgeschlagen – die Johanneskapelle sollte auf den Schnatzenberg umgesiedelt werden, auf Höhe der Elzer Anlagen. Diese Idee wurde aber schnell wieder verworfen, obwohl der Gemeindevorstand zunächst mit einer Verlegung einverstanden war. Es blieb schließlich beim alten Standort an der Heilquelle. Das Grundstück befand sich im Besitz der Gemeinde Elz.

Auf den Fundamenten der Vorgängerkirche – die nach Osten ausgerichtet war – wurde nach den Plänen von Diözesanbaumeister Max Meckel am 12. Januar 1891 mit dem Neubau begonnen. Die Kapelle im neugotischen Stil ist sechseckig, hat einen fünfeckigen Chorraum und eine viereckige Vorhalle. Die Kapelle ist nach Norden ausgerichtet und wurde aus heimischem Schalstein und Sandstein errichtet. Gleichzeitig mit dem Bau wurde auch die benachbarte Heilquelle neu gefasst und mit einer Gedenktafel versehen.

Diözesanbaumeister Max Meckel war ein bedeutender Architekt. Er entwarf mehr als 50 Kirchen, meist im neugotischen Stil. Auch das Elzer Pfarrhaus wurde nach seinen Plänen errichtet. Sein Wirken als Architekt fand überall im Bistum großen Zuspruch. Er erbaute unter anderem auch die Herz-Jesu-Kirche in Freiburg. Diese ist eine bauliche Nachbildung des Limburger Doms.

 

Restaurierung und Erhaltung der Kapelle

Mit großem finanziellem Aufwand wurde schließlich in den 1970er- und 1990er-Jahren unter der Leitung von Restaurator Josef Weimer das Kleinod umfangreich restauriert.

Die heutige Johanneskapelle steht unter Denkmalschutz. Sie wird traditionell zweimal im Jahr für den Gottesdienst genutzt: Am Vorabend vor Christi Himmelfahrt beginnt hier die Bittprozession, die durch die Felder führt und schließlich mit einem Gottesdienst in der Kapelle endet. Und am Johannestag, am 24. Juni, wird hier zum Patronatsfest der Elzer ein Festgottesdienst gehalten.

Für die Elzer ist die Kapelle, die ihrem Patron gewidmet ist, ein ganz besonderer Ort, auch wenn der an der Durchgangsstraße nach Hadamar gelegene Standort manchmal nicht so ideal ist. Der große Verkehr auf der Hauptstraße ist der Erhaltung der Kapelle nicht unbedingt förderlich, und beim Gottesdienst hupen die Autofahrer leider oft beim Vorbeifahren.


Der Johannestag in Elz - Festgottesdienst mit anschließendem Johannesfeuer

Noch vor Jahren stand das feierliche Festhochamt in der Pfarrkirche morgens mit Gesang des Kirchenchores im Mittelpunkt des Festtages, zu dem sich viele Elzer Urlaub nahmen. Gegen Abend pilgerte ganz Elz zur Kapelle. Alle Häuser waren beflaggt, die ganze Gemeinde feierte mit.

Im Laufe der Zeit hat sich natürlich die Feier des Patronatsfestes verändert. Heute beginnt der Elzer "Nationalfeiertag" morgens in der Pfarrkirche mit dem Morgengebet der Kirche, der "Laudes". Auch das Beflaggen der Häuser ist vielerorts in Elz geblieben. Am Abend des Festtages findet an der Johanneskapelle ein großer Festgottesdienst statt. Die Hl. Messe wird seit Jahren durch die Elzer Musikanten mitgestalten. Auch der alte Brauch des Anzündens des Johannesfeuers durch die Elzer Kirmesbuschen wird nach dem Abendgottesdienst an der Johanneskapelle vollzogen.

Nach Gottesdienst und Entzündung des Johannesfeuers findet in diesem Jahr gleichfalls das Pfarrfest an der Johanneskapelle statt. Hierzu werden Bratwurst vom Grill und Getränke angeboten. Der Reinerlös und die Kollekte sind zur Mitfinanzierung eines behindertengerechten Aufzuges im Pfarrheim bestimmt.

Der "Gehannsdoag" wird in diesem Jahr gemeinsam von Pfarrgemeinderat St. Johannes der Täufer zu Elz und Elzer Geschichts- und Museumsverein durchgeführt. Neu ist auch, dass nach dem Festgottesdienst im Anschluss das diesjährige Pfarrfest stattfindet.

 

Erstmals seit ihrer Errichtung hat die Johanneskapelle eine eigene Glocke – die "Wenzelsglocke" erklingt in Elz

Dienstag, 16. Juli 2013, 11:00 Uhr: Die vom Geschichtsvereinsvorsitzenden Josef Schmitt ersteigerte historische Glocke für die Johanneskapelle läutete zum ersten Mal. Schon kurz vor dem ersten Glockenschlag hatte sich der Vorstand des Geschichts- und Museumsvereins mit Bürgermeister Horst Kaiser, dem Ersten Beigeordneten Reinhold Schmitt und weiteren Elzer Bürgern eingefunden, um Zeugen des Ereignisses zu sein.

Punkt 11:00 Uhr erklang der erste Ton der 1756 (Mozarts Geburtsjahr) in Prag gegossenen "Wenzelsglocke", die am Patronatsfest 2013 im feierlichen Abendgottesdienst durch Pfarrer Franz-Josef Kremer geweiht worden war. Sie wurde durch einen Monteur der Glockenbaufirma Petit und Edelbrock im Türmchen installiert. Die Bronzeglocke ist im Nominalton e gestimmt. Der Glockensachverständige des Bistums Limburg, Wolfgang Nickel, bezeichnet sie als "Juwel und Bereicherung der gesamten Glockenlandschaft in der Diözese und darüber hinaus".

 

Bewusstsein der Elzer Bevölkerung für ihren Ortspatron wiedergeweckt

Der Freundeskreis Elzer Johanneskapelle, der aus dem Geschichts- und Museumsverein hervorgegangen ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den alten Elzer Feiertag "Gehannsdoag" wieder mit Leben zu erfüllen und damit auch die Kirche und die Johanneskapelle in den Mittelpunkt am Fest des heiligen Johannes des Täufers in den Mittelpunkt zu stellen.

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