Erstellt von Dompfarrer Gereon Rehberg | | St. Georg Dom Limburg Aktuelles

Zeichen der Zeit

Liebe Schwestern und Brüder,

die Mandatsträger des Pastoralausschusses Limburg waren am 5. Juni, dem Gedenktag des Heiligen Bonifatius, zu einer besonderen Sitzung zusammengekommen, um mit Weihbischof Dr. Thomas Löhr gemeinsam über den Neuen Pastoralen Raum nachzudenken.

Bei seiner Visitation, dem eine Bischofsmesse in St. Hildegard vorausging, hatte der Weihbischof dazu eingeladen, einmal die Entwicklungen neuer Ideen, Akzente und Projekte vorzustellen, die sich in unseren Gemeinden auftun. Darüber hinaus wurden Schwerpunkte ehren- und hauptamtlicher Arbeit diskutiert, die sich in der Pastoral bewährt haben. Eine Reflexion über die Gottesdienstbesuche, die in einzelnen Gemeinden nach wie vor stark sind, das Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit - besonders in unserer Jugendkirche CROSSOVER - und die Altenseelsorge und Sakramentenspendung in den Gemeinden, sollten dabei einen ersten Überblick vermitteln, was sich gut entwickelt und etabliert hat und wo sich bereits Verbindungen zwischen den Gemeinden abzeichnen.
Der Bischof betonte, dass wir im Vertrauen darauf, dass Gott mit uns unterwegs ist und durch sein Wirken an und vor allem durch uns handeln will, diesen Weg gehen können. „Wir tun das nicht für uns alleine“, gab er zu bedenken. Die Grenzen zwischen ehren- und hauptamtlicher Tätigkeit werden geringer und die Bereitschaft, sich in den Dienst Gottes nehmen zu lassen, immer wichtiger. Bei allen Schwierigkeiten und Herausforderungen, die sich daraus ergeben können, bleibt festzustellen: „Kirche hat sich auch in der Vergangenheit weiterentwickelt und den Anforderungen der Zeit gestellt - und das ist auch heute nicht anders.“

Aus den vielfältigen Erfahrungen, die er seinerzeit schon als Kaplan in Frankfurt/Unterliederbach, Elz und als Pfarrer im Rheingau sammeln konnte, habe sich immer wieder gezeigt, dass die kleinen Dinge zu einem Großen heranwachsen können, wenn alle guten Kräfte zusammenwirken und den gemeinsamen Auftrag erkennen, den wir als Getaufte haben. Insgesamt gäbe es viel Aktivität in den einzelnen Pfarreien, die überraschend vielfältig sei. Das ließe sich auch auf diözesaner Ebene feststellen. In den positiven Gesprächen und Begegnungen, auch mit den Pastoralteams, komme allerdings auch immer wieder die Sorge um den Rückgang der Gläubigen auf, und die Frage, wie wir darauf reagieren können. Von entscheidender Bedeutung bleibt ein weiteres: die Ökumene. Hier zeigt sich aus Sicht des Weihbischofs ein wirklich gutes Miteinander in den Gemeinden und bei den Verantwortlichen aus den verschiedenen Konfessionen, das ihm oft ein ganz anderes Bild vermittele, als das, was mitunter Amtskirche vorgibt und öffentlich diskutiert wird.

Unsere Pfarreien, die im Bistum Schritt für Schritt aufeinander zugehen und zu größeren pastoralen Räumen fusioniert sind oder, so wie wir, sich noch im Prozess der Fusionierung zur Pfarrei Neuen Typs befinden, zeugen auch von einer gesellschaftlichen Veränderung. Wir als Kirche müssen uns den Umständen, Fragen und Antworten der Zeit stellen, die sich ergeben, und erkennen, dass wir alte Strukturen und Gewohnheiten überdenken und Räume für neue Dinge schaffen müssen, die sich positiv am Entwickeln sind. Dabei laufen wir keinesfalls Gefahr, von einer gegenwärtigen Dynamik überrollt zu werden, sondern wir betrachten sorgfältig das, was bleibt und wichtig ist, und das, was notwendig wird und sich zukünftig erneuern muss.

Für unsere Pfarrei Neuen Typs, die sich aus insgesamt 11 Gemeinden zusammensetzt, wird derzeit ein Standort für das Zentrale Pfarrbüro gesucht. Einigkeit besteht darüber, dass wir die moderne Einrichtung möglichst in der Mitte, also in der Stadt, positionieren wollen. Die Suche nach einer geeigneten Immobilie, die alle Voraussetzungen und Auflagen erfüllt, ist am Laufen. Hier gibt es aktuell mehrere Optionen, die derzeit geprüft werden. Das Büro wird eine Art „Herzstück“ unserer Gemeinden, wo alle organisatorischen und dienstlichen Belange zusammengefasst, koordiniert und verwaltet werden.

Zukunft gestalten bedeutet auch, immer mutig voranzugehen, anzupacken, dabei jedoch nicht übermütig zu werden, vor allem sich nicht überrollen zu lassen von dem, was vermeintlich notwendig, sondern tatsächlich sinnvoll und wichtig ist.

Dazu zählt auch, auf Befürchtungen und Sorgen der Menschen einzugehen, wenn Gläubige beispielsweise fragen, was aus unseren Gottesdiensten wird. Es wäre unredlich zu behaupten, dass sich nichts ändert; es wäre aber auch falsch zu sagen, dass alles Gewohnte wegbricht. Das wird nicht der Fall sein.

Mein Eindruck ist, dass die Verantwortlichen, besonders aus den unterschiedlichen Gremien, bei den komplexen Vorbereitungen zur Pfarreiwerdung neuen Typs sehr engagiert sind und verantwortungsvoll arbeiten, um den Weg so zu ebnen, dass sich das Gemeinsame mehr abbildet, also das, was uns als Christen trägt und festigt: unser Glaube an den Auferstandenen.

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